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MEDIOLOGIE

Sie ist meine Methode zur wissenschaftlichen Betrachtung von Vermittlungssystemen. Beschrieben wurde Sie ausführlich von Régis Debray.

In einem Vermittlungsystem vermittelt wird unter anderem Kommunikation, Information und Wissen aber auch Meinung und Unterhaltung.

Ein Vermittlungsprozess besteht immer aus einer technischen Komponente(1), er besitzt eine bestimmte Gestalt und wird durch die teilnehmenden Akteure organisiert.

Mit einem Wort: Ein Vermittlungsprozess besteht aus Technik, Ästhetik und Organisation.

Wird eine bestimmte Ästhetik angestrebt, wird von der Organisation eine entsprechende Technik gewählt oder speziell entwickelt. Steht dann eine neue Technik zur Verfügung erkennt die Organisation oft recht schnell, welche neuen Möglichkeiten, welche neue Ästhetik durch die neue Technik möglich wird.

Ein existenter Prozess wird mittels einer neuen Technik neu erfunden und eine dann existente Technik ermöglicht neue Prozesse.

Je mehr Technik, je mehr unterschiedliche Prozessmöglichkeiten und noch mehr Hang zu besserer Technik für die neuen Prozesse. Eine Exponentialfunktion.


Mit dieser Brille betrachtet konstatiert Debray, dass das Wissen einst Gott gegeben war - "Gott hat es mir gesagt" als Quellenverweis - es wurde mündlich tradiert und Schrift diente grob gerastert nur zur Korrespondenz und Buchhaltung. Er taufte diese Epoche, er nannte es Spähre, als die Logosphäre.

Mit dem Buchdruck und speziell mit dem Buchstabensetzdruck mittels Typen gab es erstmals die Möglichkeit Wissen in Buchform nicht nur manigfaltig zu duplizieren sondern auch unverändert durch die Zeit zu transportieren. Aus dieser Zeit stammt der Quellenverweis "Ich habe es gelesen!". Debray führt aus, dass es diese Technik war, die eine Reformation in Deutschland erst ermöglichte. Gleichzeit war es die Technik, die der Autorenschaft erst zu dieser verhalf. Der Autor indentifizierte sich mit seinem Werk und die Leser des Werks ordneten es ihm anerkennend oder ablehnend zu. Debray tauft diese Mediasphäre Grafosphäre.

Der nächste epochal mediale Schritt datiert Debray auf die Einführung des Farbfernsehens. Farbfernsehen deshalb, weil das Gerät nun in allen Wohnzimmern angekommen war. Ein neuer, modal anspruchsvoller Informationskanal war damit geboren. Neben Information und Wissensvermittlung tritt eine neue Komponente auf den medialen Plan, die Live-Show. Gerade sie scheint uns mit hoher Authentizität an die Welt anzuschließen. Von nun an hört man als Verteidigung für sein Wissen flächendeckend "Ich habe es im Fernsehen gesehen!". Ein fataler Satz, denn blendet man nur ein entscheidendes Wort, den Fernseher aus, könnte man der Meinung sein "Es" wirklich gesehen zu haben. Die verblüfende Ähnlichkeit der Abbildung mit dem Original trägt das Ihrige dazu bei. Große Teile der Bevölkerung befinden sich noch in dieser Videosphäre genannten Zeit der audiovisuellen Schein-Wissens-Welten (so wie die Elektrotechnik Schein-Leistung kennt).
Die zukünftige Mediasphäre nennt man Hypersphäre. Verfolgt man einschlägige Webseiten, Foren, Blogs und Youtube-Kanäle, ist zu beobachten, dass informationelle Paralellwelten existieren. Aufbauend auf einer flächendeckenden Netzwerkstruktur sowie einer hohe Mobilität und Verfügbarkeit der Endgeräte ist die Gesellschaft erstmals in der Lage sich auf virtuellem Kampfplatz von innen heraus zu verändern. Der Nachweis für dieses Wissen finden Sie natürlich im Internet, dort habe ich es schließlich gefunden, doch die Methode reichte mir Régis Debray. Herzlichen Dank hierfür.


Die Methode dient wie beschrieben der Betrachtung. Laut Debray werden durch sie Zusammenhänge von Macht deutlich. Ich interpretiere das von mir Geschaute als systembedingt vorhanden. Wollte man etwas ändern, müsste man das System verändern. Dieses scheint allerdings sehr komplex. Ist es aber gar nicht. Denn jeder ist Teil des Systems, gerade heute seit dem Internet kann er mittels einfacher individueller Betrachtung das System von Seiten des Nachfragers verändern. So komme ich durch Mediologie zu dem Schluss, dass jeder Medienproduzent bei sich und seinen Produkten beginnen muss Verantwortung zu zeigen. Nur so können unmenschliche Phänomene wie Sozialpornographie künftig verhindert werden. Es liegt an jedem einzelnen ob er sich medial prostituiert, ob als Rezipient oder Produzent. Also helfen wir den Menschen freier zu schauen.


Juli 2012


(1) auch Sprache ist eine Technik zur Vermittlung. Sicher müsste man genauer hinschauen und natürliche, körpermögliche Techniken von werkzeug- und maschinenabhängigen Techniken unterscheiden.